Perle
Woher kommt der Name «Freiamt»
Region
Die Bezirke Muri und Bremgarten im Kanton Aargau tragen den schönen und stolzen Namen «Freiamt». Leicht ist verständlich, was der Name bedeutet, nämlich das Amt, in dem Freie wohnen, wie schon der bekannte Sinser Lokalhistoriker Franz Rohner einst schrieb. Aber wie ist dieser prächtige Name entstanden?
Wohl als Erster hat sich ein Mönch aus dem Kloster Muri mit dieser Frage beschäftigt, nämlich Pater Dominik Tschudi, der spätere Abt. Im Jahre 1625 veröffentlichte er sein Buch «Origines Murenses» (Die Ursprünge des Klosters Muri). Er schreibt: «Als die Burgunder (um das Jahr 400 n. Chr.) erneut den Rhein überschritten und auch Vindonissa angriffen, haben sich die Soldaten, die im Legionslager stationiert waren, nach Süden zurückgezogen. Nicht wenige von ihnen, gewöhnt an Sonne, Wind und Wetter oder weil sie nichts anderes hatten, haben die nahegelegenen Gegenden besetzt und dort häuslich eingerichtet. Wie schon in den Legionslagern handelten sie auch jetzt selbstständig, wählten sesshaft, bewahrten ihre Sitten und Gesetze, und wie so manche Stadt oder viele Staaten errangen sie keine fremde Einmischung. Sie lebten unabhängig und frei. Von daher kommt der Name Freiamt. Muri ist ein wichtiger Teil von ihnen. Auch gab es ein altes Gesetz, dass Soldaten, die an der Grenze waren, frei von Abgaben waren. Während mehreren Jahrhunderten, nämlich bis zur Zeit von König Otto, lebten sie frei in ihren Orten.
Von Krummamt oder Wagental weg, hin zu Freiamt
In Franz Rohners Abhandlung «Zur Geschichte des Namens Freiamt» steht, dass der Name verhältnismässig neu sei und erst seit dem Jahre 1500 regelmässig in Urkunden erscheine. Vorher habe man das Gebiet zwischen Dietwil und Bremgarten «Krummamt» oder «Wagental» genannt. «Krummamt», weil dieses Gebiet an der Krümmung der Reuss liege, «Wagental», weil die Reuss mit ihren wogenden Wassern das Tal durchfliesse. Der alte Name Wagental sei aber nach der Eroberung durch die Eidgenossen im Jahre 1415 bei den Einheimischen unbeliebt geworden, weil Luzerner ihn als Spottnamen missbraucht hätten. Anfänglich regierte nämlich Luzern entgegen den Abmachungen mit den übrigen Eidgenossen die Ämter Richensee, Meienberg und Villmergen allein, weil Luzern diese Ämter allein erobert hatte. Es kam zu einem langen Streit unter den Eidgenossen um die Regentschaft im Freiamt und schliesslich zu einem Schiedsgericht unter Führung von Bern. In diesem Gerichtsverfahren standen die Stimmen gegen Luzern klar im Raum. Das brachte ihnen den Namen «Gwagglitaler» ein. Aber wer den schönen Namen Freiamt an Stelle der alten Bezeichnung Wagental eingeführt hat, ist nach Rohner schwer zu bestimmen. Vielleicht sei es irgendein Beamter gewesen, der im Kloster Kappel in einer alten Urkunde von Jahr 1273, den Begriff «die freien Leute im Reusstal» gefunden habe, oder vielleicht sei der Name von benachbarten zürcherischen Freiamt Affoltern übernommen worden, da dieser Name allerdings langsam verblasste.
Beide Autoren haben sicher viel Treffendes berichtet
Für Tschudi ist der schöne Name Freiamt eindeutig den römischen Legionssoldaten zu verdanken, die aus dem Römerlager Vindonissa geflohen sind, sich im Raume Muri niedergelassen haben und vermochten, gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung, unabhängige Freiräume zu schaffen, die etwa 500 Jahre lang Bestand hatten.
Für Rohner hingegen ist der Schöpfer des Namens Freiamt nicht eindeutig zu bestimmen. Die Freiämter selbst wollten aber den alten Namen Waggental loswerden, weil er als Spottnamen missbraucht wurde, und man erinnere sich an den schönen Namen «Freiamt» in alten Urkunden.
Quellen: Dominik Tschudi: «Origines Murenses» (Staatsarchiv Aarau), Franz Rohner: «Zur Geschichte des Namens Freiamt» in Bd. 2 Leben und Werk