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Bereich: FFreiämter

Genuss und Austausch pflegen

Zusammen Zeit verbringen und sich fürs Vertrauen bedanken – mit diesem Ziel wurde vor über 30 Jahren das Spitexfest initi­iert. Das bewährt sich bis heute und wohl auch in Zukunft.

Alle sitzen sie gemütlich beisammen, die Mitarbeitenden der Spitex mit de­ren Klienten, manche mit einer Be­gleitperson. «Heute können wir uns Zeit nehmen, gemeinsam etwas essen und Gespräche führen, die sonst im Alltag zu kurz kommen», sagt Organi­satorin Annemarie Halter. Ersnnals dabei ist diesmal Luisa Meier, neue Ge­schäftsleiterin der Spitex Muri und Umgebung. Anfang Monat hat sie ihre neue SteUe angetreten.

Gelebte Nähe
In der Spitex, bei der Luisa Meier vor­her beschäftigt war, kannte man kei­nen solchen Anlass. «Ich finde das toll, schon in der dritten Arbeitswoche zu sehen, für wen man arbeitet», sagt sie. Sonst sei sie mehr im Büro und komme nur dann mit den Klienten in Kontakt, wenn sie gelegentlich mit jemandem der Mitarbeitenden mitgeht. In der Vorwoche habe sie die Mitarbeitenden kennenlernen dürfen, nun die Klienten und am Abend stand bereits die erste Vorstandssitzung an. In Muri aufgewachsen, hat Luisa Meier das eine oder andere Gesicht angetroffen, das sie noch aus ihrer Zeit als Jugendliebe und junge Frau kann­te. Von «sehr herzlichen Begegnun­gen» erzählt sie. Und: «Es ist schön, im Freiamt zurück zu sein.» Die Verbin­dungen zu den Leuten und den Institu­tionen – ihre Mutter arbeitete in der Pflegi – geben ihrer Arbeit noch mehr Sinnhaftigkeit. «Ich kann so etwas zu­rückgeben», sagt sie.

Örgellmusik zur Unterhaltung
Zum Beispiel auch am Spitex-Fest. «Sensationell!», findet sie den Traditi­onsanlass, der genau ihrem Verständ­nis von gelebter Nähe entspricht. Wie lange die Tradition zurückreicht, das muss erst eruiert werden: «Ich bin seit 17 Jahren dabei – und da gab es den schon», legt Annemarie Halter vor. Dann ruft sie Rita Bühler, stellvertre­tende Geschäftsführerin, dazu. Sie kann es genauer sagen: Zwei-, nein dreiunddreissig Jahre sei es her. Bei der Premiere habe man noch am Hallwilersee gefeiert, im Jahr darauf in der Waldhütte Auw und seither in der Pßegi. Bei Schlechtwetter hätte der Anlass in den Dachsaal ausweichen müssen. «AJs es am Montag regnete, haben wir noch gebibbert», blickt Luisa Meier zu­rück. «Wir ja schon auf den Regen, aber auf diesen einen Tag so11te es auch nicht mehr ankommen», fand Annemarie Halter. Die Hoffnung ging auf, das Wetter passt und der Anlass kann im Freien stattfinden. Da werden die Klientinnen und Kli­enten nicht nur kulinarisch verwöhnt. Irene Villiger und Seppi Bucher spielen mit viel Elan auf. Sie sind bereits zum vierten Mal mit dabei. «Wir hatten auch schon Moderneres ausprobiert, aber den Leuten sagt dies mehr zu», begründet Annemarie Halter. Im Mo­ment spielt das Örgeliduo grad «s’Träumli» der «Boss-Buebe». Schlag auf Schlag geht es weiter, nun steht das Dessert an.

Elektromobilität bewährt sich
Rund 140 Klienten betreut die Spitex Muri und Umgebung aktuell in ihren elf Gemeinden, Tendenz steigend. «Wir sind wie alle am wachsen», so Anne­marie Halter. Das gilt natürlich nicht nur für die Anzahl Klienten, sondern auch für jene der Mitarbeitenden. «Wir leisten viele Einsätze nach einem Unfall oder Spitalaufenthalt», führt sie aus. Nebst dem Kernbereich der Pfle­getätigkeiten gehört auch Hauswirt­schaft zum Angebot, dies allerdings nur befristet. Sonst sei da die Pro Senectute zuständig. Die Klienten und ihre Begleitperso­nen machen den grössten Teil der knapp 80 Festbesuchenden aus. Wer es nicht selbst in den Pflegipark schafft, durfte sich abholen lassen. Schliesslich stehen der Spitex seit April sieben Elektroautos zur Verfügung. Nicht nur aus Überzeugung habe man die Flotte umgestellt, so Annemarie Halter, son­dern auch aus praktischem Nutzen: «Wir fahren oft nur kurze Strecken und den Elektromotoren schadet das weniger», sagt sie. Am Stützpunkt, am Wiliweg 15 in Muri, stehen sieben La­destationen zur Verfügung, damit am Morgen alle Fahrzeuge einsatzbereit sind.

Überraschung nach dem Dessert
Auch vom Spitex-Team – aktuell rund 30 Personen – ist die Mehrheit anwe­send. Manche Einsätze lassen sich nicht verschieben. Wer am Fest dabei ist, mischt sich unter die Leute und packt auch mit an. Die Spitex-Mitar­beitenden übernehmen nämlich den Service unter dem Pavillon im Pßegi­Garten. «Wir haben einen sehr guten Teamgeist», freut sich Annemarie Hal­ter. Das zeige sich nicht zuletzt an der Kontinuität mit vielen langjährigen Mitarbeitenden. Kurz nach 14 Uhr kündet die Orga­nisatorin eine Überraschung an: Die vereinte Kindertanzgruppe der Trach­tetanzlüüt Chloschterdorf Muri und der Trachtengruppe Aesch gibt eine Kostprobe ihres Könnens. Bei «Losed si, Frau Küenzi» singen einige sogar mit – und manche freuen sich, wie energisch gerade die jüngeren unter den 20 Nachwuchstänzern die Textzei­le: es bitzli gwaggle müend si!» mit ihren Hüftbewegungen untermauern.
Viel zu schnell ist die Showeinlage vorüber. Die Kindertanzgruppe fährt weiter nach Hitzkirch, zu einem ande­ren Auftritt. Die Gäste im Pflegipark dürfen derweil noch etwas sitzen blei­ben und weiter den geselligen Aus­tausch pflegen. Was bleibt, ist die Vor­freude aufs nächste Jahr. Denn – da sind sich Annemarie Halter, Luisa Mei­er und wohl auch alle Teilnehmenden einig: Die Tradition des Spitexfests soll weiter gepflegt werden.

Musikalische Odyssee

Mit «Odyssee» lädt das Jugend-Sinfonieorchester Aargau (JSAG) unter der Leitung von Hugo Bollschweiler zu einer faszinierenden Klangreise zwischen Nacht, Meer und persönlichem Aufbruch ein. Drei Werke, drei Formen des Unterwegsseins und ein Konzertprogramm voller Atmosphäre, Kontraste und musikalischer Entdeckungen.

Den Auftakt bildet Luigi Dallapiccolas «Piccola musica notturna» – ein schwebendes Klangbild von geheimnisvoller Ruhe, inspiriert von einem nächtlichen Wanderer. Mit Felix Mendelssohns «Meeresstille und glückliche Fahrt» nimmt die Reise Fahrt auf: Nach einer beklemmenden Windstille auf dem Meer mündet die Musik in einen kraftvollen Aufbruch. Den Abschluss bildet Amy Beachs «Gaelic Symphony», die erste Sinfonie einer amerikanischen Komponistin. Inspiriert von irischen Volksmelodien verbindet Beach spätromantische Klangfülle mit eigenständiger Tonsprache. Kraftvoll, lyrisch und farbenreich entfaltet sich eine Musik voller Sehnsucht und Energie und zeugt zugleich vom mutigen Anspruch ihrer Schöpferin, sich in einer männlich dominierten Musikwelt Gehör zu verschaffen. So entfaltet sich eine musikalische Odyssee, die das Publikum von der Stille der Nacht über die Weite des Meeres bis zu einem selbstbewussten künstlerischen Aufbruch führt.

Konzert in Boswil am Sonntag, 9. August

Das Jugend-Sinfonieorchester Aargau gilt als eines der aufregendsten Orchester seiner Art in der Schweiz. In diesem Vermittlungs- und Bildungsprojekt des Künstlerhauses kommen zweimal jährlich 50 bis 70 begabte Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 26 Jahren in einer Probewoche im Künstlerhaus zusammen und gehen anschliessend auf Konzerttournee. Die Mitwirkenden aus dem Aargau und den angrenzenden Regionen widmen sich dem klassisch-romantischen Konzertrepertoire ebenso wie neuerer und aargauischer Musik.

Das JSAG konzertiert regelmässig mit einigen der spannendsten jungen Solistinnen und Solisten der Gegenwart: Iiro Rantala, Edicson Ruiz, Sebastian Manz, Ning Kam, Christina Daletska, Oliver Schnyder, Radovan Vlatkovic und Rafael Rosenfeld haben das Renommée des Orchesters weit über die Kantonsgrenzen hinausgetragen.

Hugo Bollschweiler leitet das Projekt. Er studierte an den Hochschulen von Basel, Baltimore und Zürich bei Johannes Schlaefli und Christof Brunner (Dirigieren) und Michel Rouilly, Victoria Chiang und Roberto Diaz (Viola). Er ist künstlerischer Leiter und Dirigent des Jugend-Sinfonieorchesters Aargau, des Sinfonischen Orchester Wil, des Stadtorchesters Schlieren, der SinfonieON und des Orchesters Chur.

Am 9. August, 11 Uhr, ist das Jugend-Sinfonieorchester Aargau in der Alten Kirche Boswil zu Gast. Am 14. August, 19.30 Uhr, folgt ein Konzert in Zürich, St. Jakob, am 16. August, 17 Uhr, im KuK in Aarau und am 21. August, 19.30 Uhr, im grossen Rittersaal von Schloss Lenzburg.

Festival-Stimmung auf dem Murianer Klosterhof: Muri Live begeistert

Live zum Sechsten: Tolle Stimmung, tolle Bands, tolle Atmosphäre. Und die Geschichte geht 2027 weiter.

Mit zwei völlig unterschiedlichen, aber gleichermassen begeisternden Konzerten bewies Muri Live einmal mehr seine grosse musikalische Vielfalt.

Während «Moira X Otrava» mit Charme, Lebensfreude und französischem Flair überzeugte, brachte «Klischée» den historischen Klosterhof mit einer energiegeladenen Electro-Swing-Show zum Kochen – und zu einer ausgelassenen Polonaise.

Entsprechend positiv fiel das Fazit der Organisatorin Paula Loher-Staubli aus: «Es war wieder ein Mega-Anlass.» Zusammen mit Markus Bohren stellte sie Muri Live zum sechsten Mal auf die Beine. Mit viel Engagement sorgte das Organisationskomitee dafür, dass sich die Besucherinnen und Besucher auf einen reibungslos organisierten Konzertabend mit hochkarätigen Livebands, einem vielseitigen Verpflegungsangebot und einer besonderen Atmosphäre freuen konnten.

Gleichzeitig wagte Paula Loher-Staubli bereits einen Blick nach vorn. «2027 wird das 1000-jährige Bestehen des Klosters gefeiert. Mitte August findet ein Sommerfest statt, bei dem Muri Live Teil des Programms sein wird.» Die Vorfreude ist bereits geweckt.

Open Air im Klosterhof – Muri Live begeisterte mit Balkan-Power und Electro Swing

Der historische Klosterhof in Muri verwandelte sich in eine stimmungsvolle Open-Air-Konzertarena. Bei angenehmen Sommertemperaturen strömten zahlreiche Musikbegeisterte zum Muri Live und genossen einen abwechslungsreichen Konzertabend mit «Moira X Otrava» und «Klischée».

Stefan Hotz

Den musikalischen Auftakt machte «Moira X Otrava» – und das mit voller Wucht. Die Formation versprühte vom ersten Ton an pure Lebensfreude und riss das Publikum mit ihrer mitreissenden Mischung aus französischen Chansons, Balkan-Rhythmen und Folk-Pop in ihren Bann. Ein Grossteil der Lieder wurde auf Französisch gesungen, was der Musik einen besonderen Charme verlieh. Die Besucher klatschten begeistert mit, tanzten vor der Bühne und liessen sich von der Energie der Band anstecken. Nach rund 45 Minuten verabschiedeten sich die Musiker zunächst von der Bühne. Doch damit wollten sich die Konzertbesucher nicht zufriedengeben. Lautstarke «Zugabe»-Rufe hallten durch den Klosterhof, bis die Band schliesslich nochmals zurückkehrte und das Publikum mit gleich zwei zusätzlichen Liedern belohnte.

Für Paula Loher-Staubli, die den Anlass zusammen mit Markus Bohren organisiert, bilden genau diese Momente den Kern des Festivals: «Mein Highlight sind die Bands, die jeweils das Herzstück bilden.»

Spürbare Nähe zum Publikum

Nach einer kurzen Umbaupause folgte der zweite Höhepunkt des Abends. Die Electro-Swing-Band «Klischée» betrat die Bühne und sorgte vom ersten Song an für Festivalstimmung. Mit treibenden Beats, einer fulminanten Lichtshow und einer energiegeladenen Performance verwandelte die Band den Klosterhof endgültig in eine grosse Tanzfläche. Frontmann William Bejedi begeisterte mit seiner charismatischen Art und suchte immer wieder den direkten Kontakt zum Publikum. Zwischendurch zeigte er auf der Bühne sogar eine einfache Choreografie vor, welche die Konzertbesucher mit grossem Spass nachmachten, um so Teil der Show zu werden. Als die Band den bekannten Coversong «Bella Ciao» anstimmte, verliess Bejedi kurzerhand die Bühne und führte singend, mitten durch die Zuschauer, eine ausgelassene Polonaise an. Das Publikum machte begeistert mit und feierte lautstark jeden Moment.

Immer wieder heizte der Sänger die Stimmung zusätzlich an. Mit der Frage «Muri, möged er no …?» brachte er die Menge zum Toben. Aus Hunderten Kehlen ertönte ein lautstarkes «Ja», bevor die Band nahtlos den nächsten Song startete. Kaum jemand blieb dabei ruhig stehen – vor der Bühne wurde getanzt, gesungen und ausgelassen gefeiert. Die Kombination aus mitreissender Musik, spektakulären Lichteffekten und der spürbaren Nähe zur Band machte den Auftritt zu einem der Höhepunkte des Abends.

Anstossen, lachen, diskutieren

Nach rund einer Stunde endete die energiegeladene Performance von «Klischée». Doch auch diesmal wollte das Publikum die Musiker noch nicht ziehen lassen. Tosender Applaus und lautstarke Zugaberufe erfüllten den Klosterhof, bis die Band schliesslich nochmals auf die Bühne zurückkehrte. Mit einer weiteren mitreissenden Zugabe bedankten sich die Musiker für den begeisterten Empfang und setzten den Schlusspunkt unter einen unvergesslichen Konzertabend. Das Publikum feierte die Band ein letztes Mal frenetisch und verabschiedete sie mit lang anhaltendem Applaus.

Neben den beiden Konzerten trugen auch das vielfältige Gastronomieangebot und die gemütliche Atmosphäre wesentlich zum Gelingen des Abends bei. An den Essens- und Getränkeständen wurde angestossen, gelacht und über die Musik diskutiert. Menschen unterschiedlichsten Alters genossen gemeinsam einen unbeschwerten Sommerabend in der eindrucksvollen Kulisse des Klosterhofs. Dankbar zeigte sich Loher-Staubli auch gegenüber allen Beteiligten: «Ohne die vielen Helfer, Sponsoren und Besucher wäre solch ein Anlass unmöglich.»

Nach den Live-Auftritten liessen zahlreiche Besucher den Abend an der Afterparty mit DJ Hitz ausklingen. Bis weit nach Mitternacht wurde weitergefeiert, getanzt und gelacht.

Sommerpause im Probebetrieb

Am 7. August feiert das Freilufttheater Beinwil mit seinem Stück «Keis Wunder – es Wunder» Premiere. Nach den intensiven Proben und vor den 16 Vorstellungen erhalten die Mitwirkenden nun vier Wochen Pause.

«Ist es nicht ein Wunder, was in Beinwil alles passiert ist?» Für Dorfhistoriker Hans Bissig, verkörpert durch Andreas Bürgisser, ist das keine Frage. Auf einem geführten Dorfrundgang will er sein Wissen über den heiligen Burkard mit der Bevölkerung teilen, überzeugt, damit die Welt voranbringen zu können. Dabei hat er allerdings nicht mit Dorfnarr «Schagg», gespielt von Stephan Wottreng, gerechnet. Der Skeptiker tut alles, um den Dorfhistoriker aus dem Konzept zu bringen.

Streitlustiges Duo

Vor der ersten Durchlaufprobe sitzen sich die beiden schauspielerfahrenen Hauptdarsteller im Saal des Kirchgemeindehauses schräg gegenüber. Sie führen als roter Faden durchs Stück. «Wir brauchen einander», beschreibt Bürgisser in seiner Rolle als Dorfhistoriker die Beziehung zu «Schagg». «Unsere Geschichten ergeben in Kombination eine neue Dimension.» So reflektiert wie in diesem improvisierten Gespräch wird es allerdings nicht tönen, wenn sich die beiden nach Skript vor dem Theaterpublikum fetzen.

Zu gerne würde der selbsternannte Dorfhistoriker seine Führung wie geplant durchziehen. Da nervt es, wenn der Narr immer wieder mit hämischen Bemerkungen dazwischengrätscht. «Ja, ich fühle mich gestört», gibt «Bissig» unumwunden zu, «ich werde zu Unrecht komplett infrage gestellt.» Das wiederum macht «Schagg» Freude, wie aus dem Mund von Wottreng zu hören ist: «Meine kritischen Fragen machen die Geschichte überhaupt erst interessant», findet er – nicht ganz zu Unrecht.

Vernunft und ihre Grenzen

Bei aller Uneinigkeit; durch ihre unnachgiebige Art zeigen beide Figuren ganz klar auf, wie wichtig ihnen das Thema ist. Und das verbindet sie wiederum, schweisst sie zusammen. «Was ist ein Wunder?», lautet die zentrale Frage. Und was bedeuten Wunder überhaupt noch in der heutigen Zeit?

Oder was könnten sie wieder bedeuten, angesichts von Entwicklungen auf der Weltbühne, wie wir sie uns nie hätten vorstellen können?

«Ich wundere mich ja, dass Leute immer noch glauben», sagt «Schagg», «dabei gäbe es doch eigentlich genug Rationales, an dem man sich orientieren und erfreuen kann.» Sein Appell an die Menschen lautet denn auch, die Welt mit Vernunft und Verstand wahrzunehmen. «Was funkst du mir dazwischen, wenn ich die Leute verführen will?», verschafft sich nun Bissig wieder Gehör. «Schagg» schwadroniert von «Opium fürs Volk» und so geht es munter hin und her.

«Stört es dich nicht, als ‹Narr› bezeichnet zu werden?», die Frage lässt Wottreng erstmals aus der Rolle fallen. Walter Küng, Autor und Regisseur, springt ein: Es gehe nicht um den tumben Spassmacher, sondern um die shakespearesche Narrenfigur, die als einzige auch die unbequemen Tatsachen aussprechen darf.

Von einem Spielort zum nächsten

Mittlerweile trudeln die weiteren Darstellerinnen und Darsteller im Pfarrhaus ein. In den vergangenen Wochen haben sie intensiv an ihren Szenen geprobt. Wie in einem Puzzle werden die einzelnen Elemente nun erstmals zusammengesetzt. Gemeinsam macht man sich auf den Weg, den ab August bis Anfang September das Publikum abschreiten wird, von einem Spielort zum nächsten. Rund ein Kilometer ist es insgesamt.

In der Ouvertüre, einem Weg, der innerhalb eines Zeitfensters individuell beschritten wird, werden die Zuschauer bereits ganz subtil in die Handlung einbezogen. Hier gibt es zudem Wundervolles zu bestaunen, über Lernerfolg, Liebe und Heilung, bevor Hans Bissig beim Lindenbaum zu seiner Führung begrüsst.

«Hausaufgaben» für die Pause

«Es läuft gut», bilanziert Walter Küng nach dem intensiven Probewochenende. «Wir haben es auf ein Level gebracht, dass wir jetzt in die grosse Pause gehen können.» Über den Sommer ruht nämlich der gemeinsame Probebetrieb. Das habe sich so aufgedrängt, weil viele Mitwirkende weg sind. Küng kann dem mittlerweile sogar etwas abgewinnen: «In der Pause kann sich alles setzen. Vom Kopf geht es in den Bauch, kriegt eine Selbstverständlichkeit», ist er überzeugt.

Seit Januar laufen die Proben bereits, bis zu viermal die Woche. «Da hilft eine Pause, die Spannung zu halten.» Ganz ohne Hausaufgaben schickt der Regisseur und Autor seine Darstellerinnen und Darsteller dann allerdings doch nicht in den Sommer: Sie sollen ihren Text jede Woche zwei- bis dreimal durchsprechen und vor der Wiederaufnahme der Proben eine Woche lang jeden Tag.

Nach der Pause wird an zwei Tagen nochmals jede Szene genau angeschaut, gefolgt von drei Durchlaufproben: «Hauptprobe eins und zwei sowie die Generalprobe», so Küng. Die Premiere vom Freitag, 7. August, ist ausgebucht. Ebenso die acht folgenden Spieldaten. Freie Plätze gibt es derzeit erst ab Ende August. Dernière ist am 5. September.

Strassenfest mit lokaler Vielfalt

Auch bei der zweiten Auflage von «Seis uf de Bei» wurde ausgiebig gefeiert – in zwei Jahren folgt das Jodlerfest

Würde es an den Erfolg der ersten Auflage anknüpfen können, das Dorffest «Seis uf de Bei»? Und wie: «Wir hatten wiederum ein unvergessliches Fest», zieht OK-Co-Präsident Pius Vogel Bilanz, «mit sogar etwas mehr Besuchern als letztes Mal.»

Erneut ist es der Bevölkerung und den beteiligten Vereinen gelungen, die Aarauerstrasse in eine abwechslungsreiche Genuss-, Erlebnis- und Begegnungszone zu verwandeln. Schon zum Morgengottesdienst um 9.30 Uhr waren deutlich über 100 Leute auf Platz. Über den ganzen Tag dürften es rund 2200 Festgängerinnen und Festgänger gewesen sein. Das Wetter spielte mit, fast zu gut sogar. So waren gegen Mittag bei sommerlichen Temperaturen und drückender Sonne Schattenplätze begehrt.

Vereine geben alles
Direkt neben der Bühne haben die ZFighters Oberwil-Sins ihre Basis eingerichtet. Die Inlinehockeyaner haben nicht nur kulinarisch verwöhnt, sondern auch zum Schuss-Contest eingeladen. Dabei waren allerdings weder Schärfe noch Präzision gefragt, wie Pascal Zürcher, Eventverantwortlicher im Vorstand, ausführt. Vielmehr ging es darum, mit möglichst konstantem Tempo zu schiessen. Die Teilnahme wurden mit einem kleinen Geschenk belohnt. Der Männerchor verwöhnte mit Grillwürsten, der Turnverein mit Risotto – «das ist unsere Kernkompetenz», so Männerriegen-Präsident Anton Nussbaumer. Um den Geschmack der Jugend zu treffen, bereitete man diesen mit Gemüsebouillon vegetarisch zu – bei «SpiGrü» brutzelte derweil der Braten. «SpiGrü» steht für «Spiess im Grünen», verrät Mitglied Peter Wolfisberg und erzählt die Gründungsgeschichte des «kleinsten Vereins» von Sins: «Vor 70 Jahren haben einige Veloclub- Kollegen im Wald einen Spiess gemacht.» Anlass war damals ein erfolgreich organisiertes Velorennen des damaligen Radfahrer-Vereins Sins. Offenbar schmeckte der Spiess so gut, dass aus der einmaligen Aktion eine Routine wurde. Die ersten zwei, drei Mal wurde der Spiess noch von Hand gedreht, dann schaffte der Verein bereits einen ersten Elektroantrieb an. Heute zählt «SpiGrü» acht Mitglieder, wobei drei davon seit der Gründung mit an Bord sind. Unter ihnen Klaus Konrad, der im August 95 Jahre alt wird. «Wir treffen uns noch drei- bis viermal im Jahr», sagt Wolfisberg.

Seilziehen und Schiessen
Anpacken war beim Seilziehclub Sins gefragt: Am Einzelbock konnten sich Interessierte voll reinhängen und die eigene Zugkraft messen. Vizepräsidentin Elena Beier nutzt die Gelegenheit, um auf das grösste internationale Seilzieh- Jugendturnier aufmerksam zu machen, das ihr Club am 28. und 29. August in der Küfermann ausrichten darf. «Wir Sinser konnten das Turnier schon dreimal gewinnen», sagt sie. Zum Unterhaltungsangebot trugen weiter die Schnitzeljagd des Familienvereins «Kreativ 77», der nächstes Jahr sein 50-Jahr-Jubiläum feiern darf, und die Jungwacht ihren Teil bei. Bereits dieses Jahr feiern die Sportschützen Sins Jubiläum – und zwar bereits den 100. Geburtstag. «Wir nahmen das zum Anlass, auch etwas für die Bevölkerung zu machen», so Präsident Fabrice Ineichen. Die zu diesem Zweck angebotene Schiessbude wurde rege genutzt. Routinier Peter Bittel blickt auf die bewegte Geschichte des Vereins zurück, vom Anbau des eigenen Schützenstands in den 80er-Jahren über die Anschaffung der ersten elektronischen Trefferanlage vor über 25 Jahren bis zum grössten sportlichen Erfolg, dem zweiten Rang im Vereinswettkampf am Kantonalen Schützenfest in Chur vor 20 Jahren. Damals siegte Bittel selbst übrigens im Nachdoppeln.

Rhythmus wird unterbrochen
Im geschichtsträchtigen «Sprützehüsli » hat der Fussballclub Sins sein «Irish Pub» eingerichtet – natürlich mit passender Musik und charakterstarkem Stout-Bier. Hierhin verlagerte sich das Geschehen spätestens nach dem Eindunkeln. «Bis morgens um 3 Uhr genossen es immer noch zahlreiche Leute in den Bars», so Vogel. Als Mit- Organisator des Nordwestschweizerischen Jodlerfests hatten die Fussballer bereits am Morgen ihren Auftritt auf der grossen Bühne. Das Fest bleibe als voller Erfolg in Erinnerung, so Pius Vogel. Was bleibt, ist die Vorfreude. Allerdings nicht auf übernächstes Jahr. In Rücksicht auf das Jodlerfest von 2028 wird der Zweijahresrhythmus des Dorffests unterbrochen, das nächste «Seis uf de Bei» findet demnach erst 2029 statt.

Mit Haltung, nicht mit Lautstärke

Zwölf Jahre stand Pius Wiss an der Spitze der Repla Oberes Freiamt – nun gibt er das Amt weiter

Das Bild einer mächtigen Eiche. Vizepräsidentin Marlis Villiger ist nicht die Einzige, die es mit Pius Wiss in Verbindung bringt. Als Präsident war Wiss der ruhige Pol im Vorstand der Repla Oberes Freiamt. In seine Fussstapfen tritt nun Rainer Heggli, Gemeindeammann von Merenschwand.

Geerdet und stark. Sie trotzt Wind und Wetter, steht aufrecht da. In ihrer Nähe fühlt man sich wohl und sicher. Der Vergleich von Pius Wiss mit einer mächtigen Eiche passt. Marlis Villiger, Vizepräsidentin der Repla Oberes Freiamt, bezeichnet Pius Wiss als vorbildlichen Präsidenten mit optimistischer Einstellung, dossiersicher, souverän und mit gefestigten Zielen. «Er hielt den Vorstand zusammen, vertraute den Menschen und hielt das Schiff auf Kurs.» Das Freiamt habe er konsequent ins Zentrum gestellt. «Vielleicht stand hie und da sein Dietwil noch etwas mittiger», meinte sie lachend. Schliesslich war er in Dietwil total 28 Jahre lang als Gemeindeammann tätig. Am südlichsten Zipfel des Bezirks und des Kantons tätig zu sein, hielt ihn aber nicht davon ab, sich für den gesamten Bezirk Muri einzusetzen. Beispielhaft ist dabei sein Rücktritt. Eigentlich wollte er schon früher aufhören», weiss Marlis Villiger. Erst jetzt ist aber der Zeitpunkt gekommen, der für seinen Nachfolger Rainer Heggli passt. «Andere hätten nicht zugewartet. Aber es passt bestens zu seiner Art, dass er es gemacht hat.» Villiger lobt sein grosses Wissen und seine Kraft, die er all die Jahre für die Region einsetzte. Ein Hauptaugenmerk, «fast schon eine Leidenschaft», war dabei die Raumplanung. «Wir alle wissen, wie anspruchsvoll dieses Thema ist.» Das 2018 verabschiedete Regionale Raumkonzept 2040 hebt sie entsprechend speziell hervor.

Auch in schwierigen Zeiten
Aber Villiger betont auch, dass Pius Wiss vorne gestanden sei, wenn es schwierig wurde. Als der Ukraine-Krieg ausbrach, als die Coronapandemie den Alltag bestimmte, als der damalige Geschäftsführer Bruno Sidler verstarb. Sidler war einer von Wiss’ Weggefährten. Seit seinem Amtsantritt als Präsident wird die Repla Oberes Freiamt von einer Geschäftsstelle geführt. Anfangs leitete diese Josef Nogara, später Bruno Sidler und seit einigen Jahren Daniel Räber. Ihnen und allen Mitarbeitenden, Abgeordneten, Vorstandsmitgliedern und, und, und hat Wiss jeweils nach einer Versammlung gedankt. Marlis Villiger fasst es ganz einfach zusammen: «Heute danken all diese Leute dir.»

Sein Wirken soll nachhallen
Villiger war nicht die Einzige, die für den abtretenden Präsidenten nur lobende Worte fand. Grossrat und Vorstandsmitglied Ralf Bucher hebt die besonnene Persönlichkeit des abtretenden Präsidenten hervor. «Er hat die Region mit seiner Försterschläue repräsentiert.». Und das stets auf Augenhöhe – auch mit den Fachleuten. «Er hat Projekte als Ganzes gesehen, aber wusste auch bei den Details Bescheid. Ich hoffe, sein Wirken hallt noch lang nach», führte Bucher aus. Dass er genau der richtige Präsident für die Repla Oberes Freiamt war, davon ist auch Hans-Peter Budmiger, Gemeindepräsident Muri und Vorstandsmitglied, überzeugt. «Unterschiedliche Gemeinden haben unterschiedliche Realitäten. Pius hat die Gemeinden immer verbunden, nie polarisiert.» Er habe den Verband mit Souveränität geführt. «Und er hat die Region nicht mit Lautstärke beisammengehalten, sondern mit Haltung.». Emotional sei es, sagte Pius Wiss, nachdem beim abschliessenden Applaus alle von ihren Stühlen aufgestanden waren. «Es war eine schöne, aber intensive Zeit. Die Aufgaben nahmen stetig zu.» Gerade in den Bereichen Integration und Mobilität. «Weil sich eben vieles regional einfacher und besser lösen lässt.» Er habe die Zusammenarbeit im Vorstand geschätzt, auch wenn die Diskussionen durchaus auch mal hitzig geführt wurden. «Ich wünsche der Repla weiterhin viel Freude bei der Arbeit für unsere schöne Region.».

Räber kündigt Abschied an
Weil Jürg Barmettler nach dem Rücktritt als Gemeinderat in Beinwil auch als Vorstandsmitglied aufhört, wurde nicht nur ein neuer Präsident gewählt, sondern auch ein neues Vorstandsmitglied. Dieses heisst Stefan Hafen und ist Gemeinderat in Bünzen. Neu als Präsident amten wird Rainer Heggli, Gemeindeammann in Merenschwand. Neue Namen tauchen auch in der Kontrollstelle auf, nachdem alle drei Bisherigen in ihren Gemeinden aus der Finanzkommission demissionierten. Neu übernehmen diese Aufgabe Reto Brun, Merenschwand, Simone Di Sanzo, Muri, und Ken Isenegger, Sins. Und weitere personelle Veränderungen stehen an. Daniel Räber kündigt an, im ersten Quartal des kommenden Jahres seine Tätigkeit als Leiter der Geschäftsstelle abzulegen.

Nicht bis Ende April zuwarten

GV des Gewerbevereins Muri und Umgebung – mit Verabschiedungen und Gewerbeausstellungs-News

187 Personen waren da, 90 stimmberechtigte Gewerbebetriebe. Rekord. Sie entschieden über neue Statuten, wählten ein neues Vorstandsmitglied und erfuhren aus erster Hand, wie die Planung der Gewerbeausstellung im Herbst voranschreitet.

Hauswartungen, Werbeagentur, Töpferatelier, Landwirtschaftsbetrieb oder Baumanagement. Die Vielfalt ist riesig. Und auch die Zahl ist gross. Gleich 20 Neumitglieder stellen sich an der GV des Gewerbevereins Muri und Umgebung vor, bevor sie dann formell als Mitglieder gewählt werden. Der Gewerbeverein lebt – die Neumitglieder sind ein Indiz dafür. Die grosse Anzahl an Anwesenden an der Versammlung ein weiteres. 187 Personen vertreten 90 Gewerbebetriebe. 230 Mitglieder zählt der Verein aktuell. «Alles potenzielle Aussteller», meint Beni Fischer. Er ist OK-Präsident der bevorstehenden Gewerbeausstellung, die vom 1. bis 4. Oktober stattfindet. «Es muss noch etwas gehen», hält er fest. Natürlich im OK, wobei man hier auf Kurs sei. Vor allem meint Fischer die Anzahl Anmeldungen. 65 sind es bisher, 100 ist das Ziel. Noch bis Ende April ist Zeit. «Aber wartet nicht bis zum letzten Tag, sondern meldet euch gleich an.» Planungssicherheit ist hier das Stichwort. Ein Musterstand des Messebauers 3-D-Art konnte vor Ort inspiziert werden. Und auch sonst gab es Neuigkeiten. Etwa, dass das Lehrlingsatelier eine Escape-Room-Erfahrung mit sich bringen wird. Oder dass Michael Birrer, im OK für das Ressort Bau verantwortlich, versucht, die Wünsche aller Aussteller zu erfüllen. Und dass die Organisatoren nicht einfach auf die Unterlagen der letzten Ausstellung 2022 zurückgreifen können. «Seither haben sich viele Vorschriften verändert», erzählt Michael Birrer. Der Fokus liegt aber auf dem Appell, sich anzumelden. Auch bei Vereinspräsident Urs Beyeler: «2022 haben sich einige nach den unsicheren Coronazeiten nicht angemeldet und das dann bereut. Machen Sie denselben Fehler nicht noch einmal.»

Dank an Stefanie Stöckli-Joho und Marcel Laubacher
Natürlich ist die Gewerbeausstellung das grosse Highlight im Programm. Geplant sind aber weitere Anlässe. Berufe Muri+ soll am 2. und 3. September für interessierten Berufsnachwuchs sorgen. Dieser wird am 26. Juni am Lehrlingsanlass und Sommerevent «Welcome to the Next Level» gebührend gefeiert. Letztes Jahr fand dieser Event erstmals statt. «Ein Erfolg», findet Präsident Beyeler. Der Wirtschaftsanlass vom 4. November und der Neujahrsapéro am 14. Januar gehören ebenfalls zum Programm. Beyeler kündigt an, dass vielleicht künftig noch weitere Anlässe hinzukommen werden. «Wir halten euch auf
dem Laufenden.» Nicht wegzudenken ist auch der Altersheimausflug. Zwölf Jahre lang hat Marcel Laubacher diesen organisiert. Nun gibt er diese Aufgabe an Eveline Ritter weiter. Es ist nicht die einzige Verabschiedung, die an diesem Abend ansteht. Nach sechs Jahren demissioniert Stefanie Stöckli-Joho aus dem Vorstand. «Sie hat viele neue Ideen eingebracht», sagt Urs Beyeler. Dass im Bereich Homepage und Mitgliederverwaltung mehr Struktur herrsche, sei ihr Verdienst. Neu in den Vorstand gewählt wurde Andrea Schwarzenberger. Dass sie wie ihre Vorgängerin in der Immobilienbewirtschaftung tätig ist, ist dem Zufall geschuldet.

Kriterien klar definiert
Finanziell ist der Verein für den Grossanlass im Herbst gut aufgestellt. 130800 Franken beträgt das Vermögen, bei einem Gewinn aus dem Vorjahr von 600 Franken. Auch für das neue Jahr ist ein Gewinn budgetiert: 1500 Franken. «Allerdings ohne dass die Gewerbeausstellung eingerechnet ist», hält Kassier René Eschmann fest. Der Jahresbeitrag bleibt bei den 140 Franken. «Im Vergleich zu anderen ist dieser tief», weiss Urs Beyeler. Die Erhöhung könne allenfalls nach der Gewerbeausstellung ein Thema werden. «Wenn wir neue Ideen für zusätzliche Anlässe haben.» Eine Revision der Statuten stand ebenfalls auf der Traktandenliste. Die bisherigen stammten aus dem Jahr «Wir wollen die Digitalisierung und modernere Abläufe berücksichtigen», so Beyeler. Zudem habe sich das Vereinsgebiet verändert, die Datenschutzbestimmungen ebenfalls. Und neu sind die Aufnahmekriterien klar definiert. Geschäftsführer einer Filiale dürfen beispielsweise auch beitreten. Oder Leute, die im Vereinsgebiet wohnen und ihre Firma in einer an das Gebiet angrenzenden Gemeinde haben.

Wichtiges Netzwerk

Der Gewerbeverein Muri und Umgebung ist also à jour. Mit der bevorstehenden Gewerbeausstellung sowieso. Spätestens dann, wenn die Anzahl Anmeldungen noch weiter in die Höhe geklettert ist. «Ein beispielhafter Gewerbeverein», ist denn das Fazit von Urs Widmer, Geschäftsleiter des Aargauischen
Gewerbeverbandes. Der Zusammenhalt sei wichtig, gerade in schwierigen Zeiten. «Dann wird deutlich, wie zentral ein funktionierendes Netzwerk ist.» Zusammenstehen, am selben Strick ziehen – das tue ein Gewerbeverein. «Er ist das Rückgrat der Wirtschaft in der Region.». Auf kantonaler Ebene lege der Verband den Fokus auf drei Themen: Baubewilligungen, Berufsbildung und Bürokratie. Dabei setze man sich stellvertretend auch für die Anliegen der einzelnen Mitglieder der Gewerbevereine ein. Widmers Appell an die Anwesenden: «Mut zur Innovation.»

    Zwei ganz andere Gefühlslagen – Bronzepartner Bäckerei Kreyenbühl

    Bei der Bäckerei Kreyenbühl wird gebaut – die neue Konditorei und an der Zürcherstrasse

    Einst war es die alte Bäckerei ihrer Vorgänger. Nun bauen Regula und Buki Kreyenbühl dort unter anderem eine neue Konditorei. Im Oktober soll das Bauprojekt fertig sein. Während dieses für Freude sorgt, löst die erneute Baustelle an der Zürcherstrasse mehr Sorgen aus.

    Noch ist eine Weitergabe des Betriebes nicht konkret. Und trotzdem ist die Tatsache im Hinterkopf. Buki Kreyenbühl ist 60-jährig, die Pensionierung rückt immer näher. «Wir wollen bereit sein. Der Betrieb soll so aufgestellt sein, dass er überhaupt übernommen werden kann», sagt er. Dazu gehört eine Infrastruktur, die zeitgemäss ist. «Der Markt ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht einfacher geworden.» Kreyenbühl spricht die Bäckereien an, die schliessen. Er meint damit aber auch die Konkurrenz von Tankstellen, die stetig wächst, oder die Wertschöpfung, die in der Lebensmittelbranche immer knapper wird. «Wir wollen das tun, was in unserer Hand liegt, damit diese Bäckerei eine Zukunft hat», sagt Regula Kreyenbühl. Und dazu gehört in ihren Augen, einen Investitionsstau zu verhindern. Denn seit die Kreyenbühls die Bäckerei führen, ist sie stetig gewachsen. 14 Mitarbeitende waren es, als sie 2002 übernahmen, jetzt sind es 28 Vollzeitstellen, verteilt auf 42 Mitarbeitende – im ganzen Betrieb, samt Café und Verkaufsladen in Auw. Nicht nur personell hat die Bäckerei zugelegt. «Das Produktsegment wurde breiter, gerade auch im Spezialitätenbereich», sagt Buki Kreyenbühl. Dass als Folge davon die Platzverhältnisse im Gebäude an der Zürcherstrasse immer enger wurden, liegt auf der Hand. «Auch einige Abläufe sind suboptimal. Wir stehen einander manchmal regelrecht auf den Füssen herum.» Mehr Platz helfe – in allen Belangen, auch um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

    Im Oktober bezugsbereit

    2022 startete die Planung. «In unseren Köpfen schon viel vorher», gesteht Regula Kreyenbühl. Die Familie Stöckli, von der sie die Bäckerei übernahmen, buk einst in diesem Gebäude, bevor sie 1978 einen Neubau realisierten, wo die Bäckerei Kreyenbühl jetzt zu Hause ist. «Wir waren froh, als es im Oktober dann wirklich losging», sagt Regula Kreyenbühl. Wie viele Hürden das Projekt nehmen muss, wie lange ein solcher Prozess dauern kann – «wir haben das unterschätzt». Zwischendurch kamen Zweifel auf. «Aber wir blieben mit Herzblut und Leidenschaft am Ball. Das braucht es als Unternehmer sowieso immer», weiss Buki Kreyenbühl. Mit dem Baufortschritt sind sie sehr zufrieden. «Trotz der engen Platzverhältnisse. Wir dürfen auf ein Top-Handwerker- Team zählen und erfahren auch von den Nachbarn viel Verständnis.» Die Stimmung sei bestens, auch auf der Baustelle. Im Oktober soll das dreigeschossige Gebäude fertig sein. Im Erdgeschoss wird die Produktion untergebracht. «Vor allem der süsse Bereich», erklärt Buki Kreyenbühl. Desserts, Gebäck, Schokoladenkreationen – das entsteht künftig im Neubau. Im Obergeschoss sind Räumlichkeiten für die Mitarbeitenden geplant. «Auch hier braucht es dringend Verbesserungen. Wie gesagt, wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber sein. Und müssen es in der angespannten Situation des knappen Fachpersonals auch sein», sagt Regula Kreyenbühl. Im Dachgeschoss finden Büroräumlichkeiten Platz. Gebaut wird aber nicht nur beim neu entstehenden Haus, sondern auch in der jetzigen Bäckerei. Ein Durchbruch soll es der Kundschaft ermöglichen, vom Laden direkt einen Einblick in die Bäckerstube zu erhalten. Zudem ist ein neues Mehlsilo geplant. «Das alles bei laufendem Betrieb. Das wird sicher herausfordernd, bisher läuft aber alles wie gewünscht», sagt Regula Kreyenbühl.

    40 Prozent weniger Umsatz

    Die positive Stimmung kippt schnell, wenn die Kreyenbühls auf die zweite Baustelle angesprochen werden, die sie aktuell tangiert. Weil die SBB-Unterführung an der Zürcherstrasse saniert wird und die Zürcherstrasse nur im Einbahn-Regime befahren werden kann, kämpfen sie mit den Umsatzzahlen. «Bis zu 40 Prozent weniger», spricht Buki Kreyenbühl Klartext. «Gleich viel wie vor neun Jahren, als die Strasse saniert wurde.» Und genau da liegt der Hauptpunkt ihres Unmutes. «Strassen müssen saniert werden, Unterführungen auch. Das ist nun mal so. Dass es dich während deiner Zeit als Unternehmer einmal stark tangiert, auch das kann passieren. Aber innert neun Jahren zweimal, da hört es mit dem Verständnis auf.» Diese Einbussen bleiben nicht ohne Folgen. Kurzarbeit war ein Thema, wird aber nicht bewilligt. Im Verkauf am Standort Zürcherstrasse mussten darum drei Mitarbeitende entlassen werden. «Wir hoffen, das wir so durchkommen», sagt Buki Kreyenbühl. Die Unterstützung der Mitarbeitenden sei gross, das Verständnis auch. Anders nehmen es die Kreyenbühls von anderen Seiten war. «Es ist erstaunlich, dass viele Leute nicht realisieren, was diese Baustelle bei der Unterführung für unser Unternehmen bedeutet», sagt Regula Kreyenbühl. Andere Gewerbetreibende, Behörden – sie würde sich mehr Verständnis wünschen.

    Ideen für mehr Sichtbarkeit

    Ohnmacht und Frust, das sind Gefühle, mit denen Regula und Buki Kreyenbühl die aktuelle Situation beschreiben. «Es tut weh, dass es durch äussere Einflüsse schwieriger ist, unseren Betrieb weiterzuentwickeln. » Aber sie haben auch Ideen, die Sichtbarkeit trotz weniger guter verkehrstechnischer Anbindung zu erhöhen. Mit Holzofenbrot, das auf dem Parkplatz jeweils morgens gebacken wird. Mit mehr Aktivität in den sozialen Medien. Damit, künftig wieder mehr an Märkten im Dorf präsent zu sein. «Zudem sind wir sehr dankbar, auf eine Stammkundschaft zählen zu dürfen, die auch jetzt regelmässig zu uns kommt.» Wie den Kreyenbühls geht es allen betroffenen Gewerbetreibenden. «Wir sind im Austausch miteinander, versuchen einander zu unterstützen.» Eine Signalisation auf dem Egg-Kreisel mit Werbung für das ansässige Gewerbe, wurde vonseiten Kanton aber nicht bewilligt. «Wir kämpfen und hoffen, dass es nachher mit Baustellen an der Zürcherstrasse vorbei ist.»

    Den Fächer ganz weit öffnen

    Mobilität im ländlichen Raum war das Thema am Wirtschaftsforum in Muri

    Das Obere Freiamt wird eine Mobilitätsstrategie erarbeiten. Am Wirtschaftsforum fällt der Startschuss dazu.

    Annemarie Keusch
    Es ist ein spannendes und komplexes Thema zugleich. Weil ganz viele Ansprüche aufeinanderprallen – vom Langsamverkehr über den Individualverkehr, den öffentlichen Verkehr bis hin zum Werkverkehr. Auf den Schienen und den Strassen verkehren immer mehr Fahrzeuge, die Bevölkerung wächst. «Gleichzeitig wollen wir Lösungen, die mit Klimazielen einhergehen», nennt Franziska Borer Blindenbacher weitere Herausforderungen. Sie ist Projektleiterin beim Departement Umwelt, Verkehr und Energie und führt durch das Wirtschaftsforum. Hier sollen Vertreterinnen und Vertreter des Bezirks Muri sensibilisiert werden auf die vielen verschiedenen Aspekte – bis hin zu selbst fahrenden Fahrzeugen. Das Ziel ist es, sich nachher gemeinsam als Region auf den Weg zu machen, eine Mobilitätsstrategie auszuarbeiten. Hans-Peter Budmiger, Gemeindepräsident von Muri, ist überzeugt: «Die Mobilität muss uns beschäftigen, nicht nur wenn wir uns ärgern, weil wir im Stau stehen.» Alle Referenten sind sich an diesem Abend einig: Für eine gute Lösung müssen möglichst alle von Anfang an mit im Boot sitzen. Und was auch alle betonen: Es ist wichtig, den Fächer ganz weit zu öffnen.

    Ähnlich und doch anders

    Der Lichterweg ist definitiv Geschichte – nun übernimmt der Damenturnverein mit dem Laternenweg

    Vier Jahre lang gab es ihn: den Lichterweg im Muri-Dorf. Die Begeisterung dafür war gross. Für gleich viel Freude soll auch der Laternenweg sorgen. Ein vierköpfiges OK aus den Reihen des Damenturnvereins organisiert diesen im Gebiet Muri- Hasli.

    Annemarie Keusch
    Anders ist er. «Natürlich», sagt Barbara Lang. Zusammen mit Helen Schriber, Rebecca Käppeli und Agi Villiger stellt sie den Laternenweg auf die Beine.«Schliesslich ist das Ambiente gegeben. Dunkelheit, gepaart mit Lichtern», ergänzt sie. Und trotzdem, eine Kopie des Lichterwegs soll der Laternenweg nicht sein. Den Ursprung hat er aber darin, dass die Macherinnen des Lichterwegs ihr Projekt nach vier erfolgreichen Durchführungen nicht wieder organisieren werden. «Das fanden wir alle schade», sagt Barbara Lang. Sie meint damit die Mitglieder des Damenturnvereins Muri. Der Vorstand ging auf die Organisatorinnen des Lichterwegs zu.«Wenn ihr einverstanden seid, lancieren wir ein neues, ähnliches Projekt.» An der Generalversammlung des Damenturnvereins wurden alle Mitglieder informiert. «Die Begeisterung war sofort gross.»

    Fast alle Einsätze abgedeckt
    Und sie ist es immer noch, je näher der Startschuss des Laternenwegs kommt, umso mehr. Das drückt sich in etwa darin aus, dass schon fast alle der 50 Einsätze für Helferinnen und Helfer abgedeckt sind. Die braucht es vor allem, weil auch der Laternenweg mit einem Beizli kombiniert sein wird – an der Kreuzung im Weiler Muri Hasli. «Weildas gemütliche Beisammensein ein wichtiger Teil ist», betont Barbara Lang. Warme und kalte Getränke, Suppe und Wienerli werden angeboten.

    Laternen, Geschichte und Rätsel
    Ein Weg draussen in der Natur, bei winterlichen Temperaturen – Barbara Lang findet das ein tolles Konzept. Kombiniert mit Lichtern und Laternen sowieso. «Gerade in der vorweihnachtlichen Zeit verfallen viele der Hektik. Sich Zeit nehmen und zu Fuss, draussen miteinander unterwegs zu sein, ist doppelt wichtig.» Darum sei es ihr und den drei anderen OK-Frauen ein grosses Anliegen, dass die Geschichte einesThemenwegs im Advent in Muri weitergeht. Rund 1,8 Kilometer lang ist der Rundweg – mit von Marco Schriberhand gesägten Laternen ausgestattet. Start ist beim Brüggli über die Bünz beim Parkplatz Bachmatten in Richtung Hasli. Die Route führt via Hasli in Richtung Murimoos auf der Koloniestrasse. Wer mit Rollstuhl oder Kinderwagenunterwegs ist, kann dank einer kleinen Abkürzung auch am Angebot teilnehmen. Wer zu Fuss ist, kann den längeren Weg via Wald zurück zum Hasli unter die Füsse nehmen. Wie es zu dieser Route kam? «Wir sind mehrere Möglichkeiten abgelaufen», erzählt Barbara Lang. Die nun definierte Route sei ideal. «Gerade auch mit dem nahen Parkplatz.» Auf dem Weg sorgen Laternen für vorweihnachtliche Stimmung. Unterhalten werden die Besucherinnen und Besucher dabei mit einer Geschichte. Die Organisatorinnen haben extra eine berndeutsche Geschichte ins Hochdeutsche übersetzt. Zudem gibt es verschiedene Rätsel. «Damit nicht nur die Kleinsten, sondern auch ältere Kinder und Erwachsene gefordert sind», meint Barbara Lang. Rund zwölf Stationen gibt es auf dem 1,8 Kilometer langen Weg.

    Samichlaus und Chor der Volkshochschule treten auf
    Eröffnet wird der Laternenweg am Samstag, 29. November. Bis Ende Jahr ist er jeweils am Freitag, Samstag und Sonntag, von 17.30 bis 21.30 Uhr geöffnet. Das Laternenbeizli lädt jeweils am Freitag und Samstag zum gemütlichen Miteinander ein. Zudem sind Anlässe geplant, am 6. Dezember besucht der Samichlaus das Beizli, am 19. Dezember singt der Chor der Volkshochschule. Die Organisatorinnen hoffen, an den Erfolg des Lichterwegs anknüpfen zu können. Dabei geht es nicht um finanziellen Gewinn.«Sondern darum, der Bevölkerung etwas zu bieten, den Kleinen und den Grossen», betont Barbara Lang. Dass sich der Verein präsentieren könne, sei ein schöner Nebeneffekt. «Und wenn durch den Beizli-Betrieb die Unkosten gedeckt werden können, freuen wir uns natürlich auch.» Die Vorbereitungen zum ersten Laternenweglaufen auf Hochtouren. Die Laternen sind gesägt, erste Einkäufe fürs Beizli gemacht. Werbeblachen und so weiter sind gestaltet. Geschichte und Rätsel müssen noch finalisiert und Werbung gemacht werden. «Die To-do-Liste wird aktuell kaum kürzer», meint Barbara Lang und lacht. Die Arbeit mache Spass. «Ich organisiere gerne. Etwas auf die Beine zu stellen, was den Leuten Freude bereitet, das erfüllt uns alle.» Entsprechend gross ist die Vorfreude darauf, wenn es am 29. November losgeht.