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Bereich: Arbeiten

Die Frage ist nicht ob, sondern wann

Muri «Cyberkriminalität? Bei mir ist nichts zu holen», denken viele, wenn sie vor Angriffen auf ihren Computer gewarnt werden. Ganz falsch. Auf dem Wirtschaftsforum wurde eindrücklich gezeigt, warum alle betroffen sind.

ANNETTE KNÜSEL

Man kennt die Meldungen aus der Zeitung: Im Februar 2022 wurden sensible Daten von Credit-Suisse-Kunden öffentlich gemacht. Im September 2023 wurde ein Walliser Unternehmen mit dem CEO-Trick um mehrere hundertausend Franken betrogen. Bei CH Media wurde im Mai 2023 über Nacht die Produktion lahmgelegt und konnte mehrere Wochen nicht wieder in Gang gesetzt werden. Von anderen Fällen erfährt die Öffentlichkeit aber nichts. Oder wussten Sie, dass Hacker im September 2023 ein Masterpasswort der Firma Microsoft gestohlen hatten und so auf zahllose Kundendaten von Microsoft zugreifen konnten?

Cybercrime ist gut organisiert
Cybercrime hat sich längst zu einer gut organisierten «Branche» entwickelt. Die Täter sind grosse Organisationen, die nüchtern ihren «Markt» analysieren und dann nach Aufwand und Ertrag entscheiden, wo sie aktiv werden. Dabei lassen sie sich Zeit. Manche Firmen werden jahrelang ausspioniert, ohne es zu merken. Der Angreifer beobachtet die technischen Systeme und sucht dort nach Angriffspunkten. Aber auch die Psychologie spielt eine grosse Rolle: Welche Gewohnheiten haben die Mitarbeitenden, wie verwahren sie ihre Passwörter, was geben sie auf Social Media von sich preis? Es ist wie ein Puzzle, bei dem jedes Detail entscheidend sein kann. Wenn sich eine Gelegenheit zeigt, wird angegriffen. Auch bei sehr kleinen Unternehmen – unter Umständen einfach nur, weil sie eine leichte Beute sind.

Wirtschaftsforum 2023 in Muri
In Muri hatten die Gemeinde, die Repla und «Freiamt. Mittendrin.» zum Wirtschaftsforum 2023 eingeladen. Thema: «Was hat Cyberkriminalität mit dem Freiamt zu tun?» Das Impulsreferat wurde gehalten von René Bodmer, Cybersicherheitsexperte und Grossrat. Er berichtete von einer regelrechten «Kampagne», die im Januar 2022 gegen Schweizer Unternehmen gefahren worden ist: die CPH-Gruppe, Emil Frey, die Gemeinde Yverdon-les-Bains, die Apotheke Zur Rose, Swiss Windows und andere waren Opfer. Bodmer hat analysiert, warum diese Angriffe erfolgreich sein konnten. Sein Fazit ist so simpel wie erschreckend: Die Gefahr wurde im Vorfeld einfach nicht ernst genommen.

Impulsreferat vom Experten

Wie lässt sich diese Gefahr konkret beschreiben? Bodmer zählte einige Anhaltspunkte auf: Es gibt immer mehr Cyberangriffe. Die Angriffe werden raffinierter und ihre Folgen verheerender. Die Angriffsszenarien werden komplexer. Die finanziellen Auswirkungen der Bedrohung steigen an. In den Unternehmen fehlt es an Fachwissen für die Abwehr von Angriffen. Die Unternehmen haben zu wenig Kapazitäten, um zeitnah und wirkungsvoll auf Warnhinweise zu reagieren. Homeoffice wirkt wie ein Brandbeschleuniger, da sich hier Berufs- und Privatleben vermischen. «Man ist relativ schnell verwundbar», sagt Bodmer.

Wie verläuft ein Angriff?
Doch wie kann man sich so einen Cyberangriff vorstellen? Davon berichteten beim anschliessenden Podium die Vertreter von drei Organisationen, die in jüngster Zeit selbst betroffen waren. Bei der Stobag AG führte 2019 ein Angriff zum kompletten Produktionsausfall. Ausgelöst wurde er durch unvorsichtiges Verhalten eines Mitarbeiters: Er erhielt eine E-Mail aus Italien und öffnete die Word-Datei im Anhang, ohne den Absender vorher überprüft zu haben. In der Datei war ein Schadprogramm, das sofort begann, sich im internen IT-System zu verbreiten. Bald darauf konnten sich die ersten Mitarbeiter nicht mehr ins Computersystem einloggen und das Unheil nahm seinen Lauf. In 80 Prozent der Fälle ist menschliches Fehlverhalten die Ursache für einen geglückten Cyberangriff. Im Oktober 2021 hatte auch die Gemeinde Mellingen einen Cyberangriff abzuwehren. Die Schwachstelle, durch die der Angreifer Zutritt erhielt, lag aber gar nicht bei der Gemeinde. Sie lag auf dem Microsoft Exchange Server, den die Gemeinde nutzte! Das Virus fand bei einem regulären Update seinen Weg in die gemeindeinterne IT. Ein klassischer Fall von Fremdverschulden – doch den Schaden hatte natürlich die Gemeinde zu tragen.

«Feuer an Bord!»
Der COO von CH Media verglich den Cyberangriff, den seine Firma im Mai dieses Jahres erlebt hat, mit einem Feuer. Es fing mit einem Warnhinweis an, der ihm gefährlicher erschien als die vielen anderen, die von den Abwehrsystemen täglich gemeldet werden. Noch während er mit seinen Kollegen darüber diskutierte, ob hier eine echte Gefahr vorliegt, kamen Meldungen von Mitarbeitern, dass sie das Programm «Excel» nicht öffnen konnten. Schnell war dann klar: Es sind Angreifer im System! Wie die Feuerwehr versuchte die IT-Abteilung, den lokalen Brand zu löschen, bevor er sich weiter ausbreitet. Doch drei Stunden später musste eine Taskforce eingerichtet werden und alles drehte sich nur noch um den Angriff. Einerseits musste der sich ausweitende Brand bekämpft werden. Andererseits mussten sofort Massnahmen eingeleitet werden, um den Produktionsbetrieb trotz der Störung noch irgendwie aufrechtzuerhalten. Im Laufe des Angriffs kam noch eine dritte Herausforderung dazu. Der Angreifer hatte sich Zugriff auf Kundendaten verschafft und drohte mit deren Veröffentlichung. Während die Sicherstellung des Produktionsbetriebs vor allem technisches Know-how verlangte, sei der Datenklau emotional sehr intensiv gewesen, «fast wie im Krieg».

Was also ist zu tun?
Wenn man Opfer eines Cyberangriffs wird, muss man kämpfen: alle Kräfte mobilisieren, die Polizei zur Hilfe holen, sich mit Partner und Lieferanten austauschen, um von ihnen zu lernen und vor allem transparent kommunizieren, damit man auch für die Zeit nach dem Angriff vertrauenswürdig bleibt. Das Wichtigste ist aber, vorbereitet zu sein. Roland Kühne (CH Media) hielt fest: «Man darf nicht davon ausgehen, dass man nicht betroffen ist. Es ist nur eine Frage vom Zeitpunkt.» Je mehr Schutzwälle ein Unternehmen hat, je aufwändiger ein Angriff für den Angreifer ist, desto grösser die Chance, dass er sich ein anderes Opfer sucht. Konkret bedeutet dies: das Thema ernstnehmen, die Mitarbeiter sensibilisieren und schulen, Backups regelmässig durchführen, in Software und IT-Sicherheit investieren, mögliche Schwachstellen aktiv suchen und schliessen, das eigene Schadenpotenzial kennen (wo tut’s am meisten weh?), einen Plan für den Ernstfall zurechtlegen (wer macht was?). Über den Sinn von Cyberversicherungen gingen die Meinungen der Experten auseinander. Einig waren sie sich aber in einem Punkt – die Antwort auf die Frage «Bin ich gefährdet?», lautet eindeutig: ja, und zwar für alle.

Mehr als einfach hinkippen

Die Betreiber der Deponie Babilon erzählten am Netzwerkanlass aus ihrem Alltag

Die Lastwagen fahren hin, kippen das Aushubmaterial und gehen wieder. So einfach ist das nicht. Das erfuhren über 70 Interessierte am Netzwerkanlass, den die Repla Oberes Freiamt zusammen mit der Industrievereinigung Muri und der Gewerbevereine Muri und Sins organisierte.

Annemarie Keusch
Es geht um ökologische Ausgleichsflächen, um Feststoffproben, aber auch um mit GPS-System ausgerüstete Dozzer, die das Aushubmaterial zwar verteilen, aber nach wie vor wissen, wo das Material welches Lastwagens und damit welcher Baustelle gelagert ist. Der Betrieb der Aushubdeponie Babilon ist komplexer, als es sich wohl ganz viele vorstellen. Dass es aber ein Thema ist, das interessiert, zeigt der Besucheraufmarsch. Über 70 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gewerbe oder Gesellschaft kamen auf Einladung der Repla Oberes Freiamt, der Industrievereinigung Muri und der Gewerbevereine Sins und Muri auf dem Erdhügel zwischen Dietwil und Oberrüti zusammen. Der Grund war nicht die herrliche Aussicht auf die Bergwelt, die sich dort bietet. Der Grund war der Erdhügel selbst – die Deponie Babilon.

Dietwils Gemeindeammann Pius Wiss, der seit Jahren ebenfalls als Repla-Präsident amtet, kennt die Geschichte der Deponie bestens. 2008seien die ersten Ideen entstanden.«Nachher galt es ganz viele ganz unterschiedliche Fragen zu beantworten. Uns als Gemeinderat war es wichtig, dass wir dabei die Führung hatten. Wir wollten nicht, dass die fünf Grundeigentümer gegeneinander ausgespielt werden», blickt Wiss zurück. Immer einfach sei der Weg von der ersten Idee bis zum ersten Lastwagen, der sauberes Aushubmaterial ablud, nicht gewesen. «Es galt ganz verschiedene Ansprüche zusammenzubringen, etwa auch, dass der Radweg nach Sins nicht niveau gleich gequert werden darf. Sonst hätten sich in der Bevölkerung keine Mehrheiten finden lassen.»

Viele falsche Vorstellungen
Und es galt sich für einen möglichen Betreiber zu entscheiden. «Weil die Deponie Freiamt AG schon in Beinwil gute Arbeit leistete, entschieden wir uns für sie.» Für die Gemeinde hingegen sei alles Neuland gewesen.«Uns ging es wie vielen. Auch wir hatten falsche Vorstellungen, vielleicht auch den Deponien geschuldet, wie es sie vor 50 Jahren gab, wo einfach der gesamte Abfall verschüttet wurde.» Entsprechend viel Informations- und Aufklärungsarbeit sei nötig gewesen. Und damit ist auch nach einigen Jahren des Betriebs nicht Schluss.«Wir sind froh, uns immer wieder zeigen zu können», sagt Dieter Greber von der Deponie Freiamt AG.2003 sei die Gesellschaft gegründet worden aus neun Firmen, die auf dem Markt eigentlich Mitbewerber sind, hier aber zusammenspannen. Zehn Jahre nahm die Planungsphase in Anspruch. Etwa musste eine Einspurstrecke bei der Kantonsstrasse realisiert werden, aber auch eine Pneuwaschanlage, Installationen für die Zufahrtskontrolle. Das sind nur wenige Beispiele. Seit 2019 wird die Deponie mit sauberem Aushubmaterial gefüllt. 16 Hektaren umfasst die Fläche, rund 1,4 Millionen Kubikmeter beträgt das Volumen. «Die Hälfte ist voll», sagt Greber.

Zu 99 Prozent sauberes Material
Toni Leu ist Deponiewart. Und er betont, dass hier nur sauberes Aushubmaterial angeliefert werden darf.«Das heisst, es müssen mindestens99 Gewichtsprozent sein», präzisierter. 99 Prozent des Gewichts müssen Stein, Erde oder Fels sein, ein Prozent dürfen beispielsweise Tonröhrchen sein. Neu würden alle 10 000Kubikmeter Feststoffproben entnommen und ausgewertet. «Bei Verschmutzung muss der Lieferant das Material wieder abholen», sagt Leu. Wie er wisse, woher welcher Dreck stamme? «Alle Lieferanten sind registriert, müssen die Baustelle angeben, bevor sie in die Deponie einfahren», erzählt Toni Leu. Kameras erfassen die Fahrzeuge digital, kontrollieren auch die Fracht. Beim Kippen kontrolliert der Deponiewart. Und eben, neu werden Proben genommen.«Die Dozzer sind mit GPS ausgestattet. Weil wir wissen, wann welches Aushubmaterial abgeladen und wohin verteilt wurde, können wir das genau nachvollziehen.»Leu spricht aber auch über ökologische Aspekte. Zum Beispiel darüber, dass der Ober- und Unterboden abgetragen wird, bevor eine Fläche aufgefüllt wird. «Bei der Rekultivierung kommt dies wieder obendrauf, damit die Landwirtschaftsfläche wieder kultivierbar ist.» Wobei dies in den ersten fünf Jahren nur eingeschränkt möglich sei. «Grünland ist möglich, düngen oder ackern nicht», sagt Leu. Nach fünf Jahren folge eine Schlusskontrolle und nachher sei die Fläche wieder wie jede andere.

112 000 Fuhren
Aber die Deponie hinterlässt die Fläche nicht nur so, wie sie war, einfach überall einige Meter höher. Es sei Pflicht, 15 Prozent ökologische Ausgleichsfläche zu schaffen. Bäche werden beispielsweise offengelegt, naturnahe Flächen angepflanzt. Dennoch weiss Leu, dass eine solche Deponie auch Emissionen verursache. 112 000 Lastwagenfuhren kommen über die gesamte Betriebsdauer zusammen. Die offenen Flächen sorgen dafür, dass bei Starkregen weniger Wasser absorbiert wird. «Dafür haben wir ein Absetzbecken gemacht, wo die Feinanteile sich setzen können, damit dieses Wasser nicht direkt ins Netz eingeleitet wird.» Und auch gegen Neophyten, die in naturnahen Gebieten wachsen, kämpft die Deponie Freiamt AG an.
«Mehr als das Kippen von Dreck», so fasst es Pius Wiss zusammen. Vielmehr, das zeigte der Besuch eindeutig. Und die Aussicht in die Innerschweizer Berge kommt als Pluspunkt hinzu.

Ein Blick in die Zukunft

Vom Fahrzeugschlosser bis zur Betreuung – an den Berufserkundungstagen «Berufe Muri+» hat es für jeden etwas dabei.

Aktuell beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler der zweiten Oberstufe mit der Berufswahl. Praktischen Einblick gewährt ihnen das Projekt «Berufe Muri+» in diesem Jahr in 59 Berufe
Es ist laut in der grossen Halle A der Notterkran AG in Boswil. Grosse Lastwagenfahren hier ein und aus. Während bei den ersten zwei Spuren Reparaturen getätigt werden, gilt es im hinteren Bereich der Halle, vorgefertigte Teile auf den Militärfahrzeugen anzubringen. Es wird geschraubt, gehämmert und geschweisst – vielfältig sind die Arbeiten, die hier getätigt werden. Das sehen auch die fünf Jugendlichen, die von Beat Näf und Jonas Harm durch den Betrieb geführt werden. Was dieser genau macht und wieder Beruf im Alltag aussieht, lernen die Achtklässler an diesem Morgen im Rahmen der «Berufe Muri+» kennen.

Bild von Beruf konkretisieren
Während zwei Tagen können die265 Schülerinnen und Schüler in87 Firmen und 59 Berufe schauen. Dies soll ihnen helfen, sich bei der Berufsfindung besser kennenzulernen. So auch der 13-jährige Silas Schwarzenberge rund der 14-jährige Reto Huber aus Mühlau. Nach einer Einführung in den Betrieb und einem Rundgang gilt es für die beiden ernst. Während sich ein Teil der Gruppe am Führen des Probekrans testet, werden im Gebäude selber nun Teile zusammengeschweisst. Unter den Augen und mit Hilfe von Beat Näf schweissen die beiden Achtklässler verschiedene Teile zusammen, dient weder ein Namensschild oder einen Stifthalter geben, der nach Hause genommen werden kann. «Ich wusste nicht, was ein Fahrzeugschlosser ist. Der Name hat sich interessant angehört, darum bin ich hier», erklärt Silas Schwarzenberger.«Ich hatte ein komplett anderes Bild vom Beruf. Aber ich finde die Arbeit sehr cool.» Dem stimmt Kollege Reto zu. Auch er könne sich nun etwas unter dem Beruf vorstellen.
«Ich dachte, es ginge nur um das Herstellen von Schlössern für Fahrzeuge. Da die Arbeit viel vielfältiger ist, könnte ich mir das gut vorstellen, später einmal so einen Beruf zu machen.» Genau hier setzt «Berufe Muri+» an: Es soll Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bieten, im Rahmen des Fachs «Berufliche Orientierung»auch hautnah zu erleben, was in der Arbeitswelt praktisch alles passiert.«Oft kommt es vor, dass die Jugendlichen eine falsche Idee von einem Beruf haben», weiss Beat Huber. Der Realschullehrer aus Muri ist im Projekt nebst Lukas Bättig vom Gewerbeverband und Adrian Bucher vom Industrieverband Organisator der Berufserkundungstage.«Meist ist dieser Anlass der erste konkrete Kontakt mit der Berufswelt. Und der ist ungemein wichtig für den Entscheidungsprozess.»

Junge Berufe haben Plattform
Das trifft an diesem Nachmittag einige wenige Meter weiter in der Boswiler Industrie auch für andere fünf Achtklässlerinnen und Achtklässler zu. Sie informieren sich in der ITS Kanal Services AG darüber, was ein Entwässerungstechnologe genau macht. Schnell stellt sich an der gemeinsamen Vorstellungsrunde heraus dass allen der Beruf unbekannt ist. Das verwundert nicht – schliesslich gibt es den Beruf erst seit acht Jahren, wie Ausbildungsverantwortliche Hanna Hosemann erklärt. Für Jonas Locher, der in Muri die Sek 2b besucht, war der Besuch definitiv ein Mehrwert: «Ich dachte, es geht hier nur um die Kanalisation. Dabeiist man als Entwässerungstechnologe auch bei Naturkatastrophen oder bei Problemen im Haushalt unterwegs.» Auch Beat Huber, dessen Schülerinnen und Schüler während der Berufserkundungstage teilweise sechs Berufe besuchen, wird an diesen zwei Tagen unterwegs sein. «Die Berufslandschaft verändert sich stetig. Auch ich als Lehrer kenne nicht alle Berufe.» Deshalb seien auch für ihn diese Tage immer wieder interessant.

Bedürfnis nach professionellen Mitarbeitern ist gross
Nebst dem Einblick in den praktischen Berufsalltag wird den Schülerinnen und Schülern in den Betrieben auch die Möglichkeit geboten, Fragen rund um die Ausbildung und das Bewerbungsverfahren zu stellen. So kann es in gewissen Berufen entscheidend sein, welche persönlichen Eigenschaften man mitbringen muss, etwa bei einem Job in der Pflege oder der Betreuung. Dass dieses Berufsfeld auf grosses Interesse stösst, merkte auch die Institution Roth-Haus in Muri. Gleich 10 Schülerinnen und Schüler haben sich für eine Besichtigung angemeldet, um den Beruf als Fachperson Betreuung mit Fachrichtung Menschen mit Beeinträchtigung kennenzulernen. Nebst Berufsbildnerin Eliane Nogara begrüssen auch die ehemalige Lernende PaulaIten und die 3.-Lehrjahr-Lernende Julienne Abächerli die Gruppe. «Man muss definitiv Empathie sowie gute Kommunikationsfähigkeiten haben und sicher offen sein für Menschen, die anders sind», erklärt Abächerli den Schülerinnen und Schülern. Der Beruf bringe viele schöne Momente, aber auch Herausforderungen mit sich. «Dessen muss man sich bewusst sein.» Nach Übungen, in welchen sich die Schülerinnen und Schüler in die Rolle des Klienten versetzen sollten, dem Besuch der Wohngruppe und der Arbeitsplätze der betreuten Tagesstruktur haben Lenia Greter und ihre Kollegin Erisa Rexhepi konkretere Vorstellungen von den unterschiedlichen Berufen im Betreuungs- und Gesundheitswesen. «Es hat uns tatsächlich sehr geholfen und die Berufserkundungstage sind wertvoll», so Erisa Rexhepi. Und für Schülerin Livia Scherer hat der Einblick an diesem Tag noch ein unerwartetes Ende: Sie fragt Eliane Nogara, wie sie sich für ein Praktikum bewerben kann.«Der Tag im Roth-Haus hat mir die Motivation gegeben, danach zu fragen. Es hat mir sehr gut gefallen.» Für die Institution Roth-Haus ist der Besuch der Schülerinnen und Schüler im Rahmen von «Berufe Muri+» eine Premiere. Eliane Nogara ist positiv überrascht, wie viele Jugendliche sich für die Besichtigung angemeldet haben. Für sie ist es ein sinnvolles Projekt, das einen Mehrwert bringe: «Das Bedürfnis nach professionellen Mitarbeitenden ist gross, auch bei uns. Und potenziellen Lernenden vorab den Beruf zu zeigen, sie in der Institution herumzuführen, ist sicherlich ein guter Weg.»

Das Leben ist ein Schulhaus

34 Lehrabgänger und Lehrabgängerinnen wurden in festlichem Rahmen für ihre grossen Leistungen geehrt. Als Gastredner durfte in diesem Jahr Janick Steinmann, Sportchef des Hockeyclubs HC Rapperswil
Lakers, begrüsst werden.

Bereits zum zehnten Mal führte der Gewerbeverein Muri und Umgebung den «Lehrlings-Award» durch. «Es freut uns sehr, dass sich auch dieses Jahr wieder so viele Lehrabsolventen mit ihren Begleitpersonen angemeldet haben», begrüsste Urs Beyeler, Präsident Gewerbeverein Muri und Umgebung, die Gäste im Festsaal. Hauptpersonen an diesem Abend waren die 34 ehemaligen Lernenden, die in diesem Jahr die Abschlussprüfung erfolgreich bestanden hatten. «Ich denke, Sie alle sind stolz und glücklich, diese Hürde gemeistert zu haben », sagte Beyeler. Die Lehrabgänger hätten in den letzten Monaten Grosses geleistet, seien auf dem Weg des Lebens einen grossen Schritt weitergekommen. «Für mich ist es immer wieder spannend, zu sehen, was für eine Entwicklung die jungen Menschen in diesen vier Jahren durchmachen », so Beyeler weiter. Der Lehrlings-Award solle daran erinnern, wie bedeutend es ist, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Talente zu entfalten und sich weiterzuentwickeln.

Spass ist das Wichtigste
Über Talente sprach auch Gastredner Janick Steinmann. Er ist wohnhaft in Muri und seit 2019 Sportchef beim erfolgreichen Hockeyclub HC Rapperswil Lakers. Seine Hockeykarriere begann er in Zug. Nach der klassischen Juniorenausbildung kam er direkt in die erste Mannschaft des EVZ. Danach hat er den Weg nach Kanada gesucht, um sich weiterzuentwickeln. Dort spielte er eine ganze Saison in der besten Junioren- Liga der Welt. Seine Karriere beendete er 2015 mit 28 Jahren. Mehrere Hirnerschütterungen zwangen ihn zum Aufhören. Steinmann ist ein Eishockey-Verrückter im positiven Sinn. Er kennt keinen Stillstand und möchte sich stets verbessern. «Als ich 2019 zu den Lakers kam, war der Club klein. Ich musste mir etwas einfallen lassen, um mit den Grossen mithalten zu können.» Beim Geld habe man nicht mithalten können, also investierte man in die Talente, den Nachwuchs, in den Sport. «Eine andere Chance hatten wir nicht.» Talent zu haben, sei wichtig, noch wichtiger aber sei der Spass an der Sache. «Egal, in welche Richtung ihr euch entwickelt, das, was ihr macht, muss Spass machen. Ansonsten ist das Ganze früher oder später zum Scheitern verurteilt», appellierte er an die Lehrabgänger. Er selbst glaube an die «10 000-Regel », die besagt, alles, was man mindestens 10 000 Stunden im Leben macht, darin wird man gut werden. Um etwas aber 10 000 Stunden immer wieder zu machen, sei der Spass unabdingbar. Auch Lernhunger sei wichtig. «Alles entwickelt sich weiter. Daher müssen auch wir uns fortbilden. »

Gut ausgebildeter Nachwuchs ist wichtig
In der Arbeitswelt sei man ebenfalls auf engagierte und innovative Leute angewiesen, sagte Urs Beyeler. Die Lehrabgänger seien nun bereit, die Welt zu erobern. Das Werkzeug dazu hätten sie mit dem Lehrabschluss in der Hand. «Sie verfügen über einen Rucksack an Wissen und sind jetzt an der Stelle, wo dieses Wissen weitergegeben werden kann oder man sich selbst weiterbilden kann.» Urs Widmer, Präsident des Aargauischen Gewerbeverbands, richtete ebenfalls das Wort an die Absolventen. «Sie haben Ihre Lehrjahre erfolgreich durch Fleiss und Engagement gemeistert und somit die Voraussetzungen für eine gute Zukunft geschaffen.» Auch die Lehrmeister hätten dadurch, dass sie Ausbildungsplätze anbieten, in die Zukunft investiert. «Wir brauchen gut ausgebildeten Nachwuchs», strich er heraus. Deshalb müsse auch die Politik mehr Interesse an der Berufsbildung zeigen, kritisierte er. Bessere Rahmenbedingungen müssten geschaffen werden und die notwendigen Mittel und Ressourcen müssten gesprochen werden. «Gerade in Anbetracht des Fachkräftemangels ist es wichtig, in den Nachwuchs zu investieren», betonte Widmer. «Mit der Lehrabschlussprüfung ist ein grosses Ziel geschafft, aber stete Veränderungen und Innovationen bedingen, dass man am Ball bleiben muss, das Leben ist ja bekanntlich ein Schulhaus», sagte Urs Beyeler. Ob man im Beruf am Ball bleibe, sich weiterbilde oder vielleicht doch noch etwas ganz anderes mache, die Chancen seien vielseitiger als je zuvor. «Gehen Sie mit offenen Augen durch das Leben und nutzen Sie diese Chancen.

Jüngerin Gutenbergs

Gautschen bei der Marketingwerkstatt GmbH in Sins

Nach Abschluss der Lehre zur Polygrafin wurde Gianna Florida von «den schlechten Gewohnheiten aus der Lehrzeit» reingewaschen und in den Kreis der Jüngerinnen und Jünger Gutenbergs aufgenommen. Aber nicht nur sie.

Das Gautschen ist ein bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgbarer Brauch der Buchdrucker und Schriftsetzer. Weil es diese Berufe in der ursprünglichen Form nicht mehr gibt, werden heute auch Offset-, Tief- und Siebdrucker sowie Mediengestalter und Polygrafen gegautscht. Dabei wird der Täufling von zwei Packern und einem Schwammhalter unter Anleitung des Gautschmeisters und im Dabeisein von Zeugen in einem Brunnen getauft. Der Brauch will es, dass die Lernenden nicht wissen, wann die Gautschzeremonie stattfindet.

Reingewaschen im Dorfbrunnen

Um 15.40 Uhr gab Gautschmeister Andreas Gnädinger den Packerinnen Janine Strebel und Fabienne Bachmann den traditionellen Befehl «Packt an!». Sogleich wurde die überraschte Gianna Florida am Arbeitsplatz gepackt und in einem Leiterwagen zum Dorfbrunnen transportiert. Unterwegs realisierte sie, dass ihre Familie, Verwandte, Freunde und Arbeitskollegen zur Gautschfeier angereist waren und sich dem Umzug anschlossen.

Nach einer Ansprache des Gautschmeisters wurde die 20-Jährige am Brunnenrand auf den nassen Schwamm gesetzt und mit einem Kübel Wasser auf den Tauchgang im Brunnen vorbereitet. Nach der Zeremonie erhielt die frischgebackene Gesellin den Gautschbrief und die Gesellschaft konnte entspannt zum Apéro riche übergehen. Doch dann ertönte ein zweites «Packt an!», und diesmal geriet der Gautschmeister selbst in die Bredouille. Die ohnehin schon anwesenden erfahrenen Drucker und Gautscher Jules Bittel, Rinaldo Cornacchini, Dani Vock und Bea Glöckler liessen es sich nicht nehmen, auch Andreas Gnädinger nach allen Regeln der Kunst zu gautschen. Ein Riesengaudi und auch eine grosse Ehre für Gnädinger, der nach dem Auftauchen Gianna Florida nochmals in den Brunnen einlud, zum einzigartigen Schlussbild.

Damit hat niemand gerechnet: Zum Gaudi aller landet der Chef Andreas Gnädinger zusammen mit seiner Lehrtochter Gianna Florida im Brunnen.

Repla will das Wir-Gefühl im Freiamt stärken

Am Mittwoch veranstaltete die Repla die Tischmesse «FREIAMT. MITTENDRIN.» in der Mehrzweckhalle. 36 Aussteller präsentierten dabei ihr Angebot und vernetzten sich untereinander.

Der Regionalplanungsverband Oberes Freiamt (Repla) hat sich zum Ziel gesetzt, mit verschiedenen, niederschwelligen Anlässen die regionalen Akteure aus der Wirtschaft, aus dem Gewerbe und aus dem Bereich Freizeit und Kultur zusammenzubringen. «Daraus entstehen ganz neue, interessante Ideen», ist Daniel Räber, Geschäftsstellenleiter der Repla, überzeugt. Am Mittwochmorgen stand die Tischmesse «FREIAMT.MITTENDRIN.» in der Mehrzweckhalle Merenschwand auf dem Programm. 36 Vertreter aus den unterschiedlichsten Wirtschaftszweigen präsentierten auf einem Tisch ihre Angebote. Zusätzlich dazu versuchten sich die Teilnehmer untereinander auszutauschen. Diese einfache und unkomplizierte Netzwerk-Tischmesse organisierte die Repla in Zusammenarbeit mit der Industrievereinigung Muri und dem Gewerbeverein Muri und Umgebung sowie dem Gewerbeverein Sins und Umgebung. Als Partner der gesamten Kampagne agiert die Marketing Werkstatt von Andreas Gnädinger.

Anzeiger als Medienpartner

Teilnehmende Akteure waren unter anderem die Raiffeisen- und die Aargauische Kantonalbank, die Aktiengesellschaften Robert Wild, Fischer Söhne, Profot, Heggli und Gubler. Aus dem Freizeitbereich kamen die Vertreter Erlebnis Freiamt und das Künstlerhaus Boswil. Für die Verpflegung sorgte die Apéro-Chuchi Freiamt. Der Anzeiger Oberfreiamt war ebenfalls mit einem Tisch an der Messe vertreten. Zudem wird der Anzeiger in Zukunft als Medienpartner von «FREIAMT.MITTENDRIN.» auftreten.

Grundsätzlich will die Repla mit ihren Aktionen versuchen, das Wir-Gefühl im Oberen Freiamt in der gesamten Bevölkerung zu stärken. «Wir wollen mit unserer Kampagne noch stärker zeigen, was es alles zu entdecken gibt im Freiamt, was für Perlen wir hier haben», erklärte Räber. Weitere Anlässe sind bereits geplant. Am 6. Juli wird der neue Markenauftritt auf dem Freiämter Sagenweg in Waltenschwil präsentiert und auch weitere Tischmessen wären bei anhaltendem Interesse im Zweijahres-Rhythmus angedacht.

Arbeiten im Freiamt

Das Obere Freiamt zeichnet sich als Arbeitsort prosperierend und vielfältig aus. Traditionsreiche und etablierte Unternehmen in Branchen aller Art bieten Arbeitsplätze mit Stabilität und Perspektiven. Auch die ideale Verkehrslage verstärkt die Attraktivität der Region als Arbeitsumfeld. Gewerbe- und Industrievereine sind aktive Unterstützer der regionalen Wirtschaft.